Beispiele aus der Schreibwerkstatt Nr. 3

Die Farben des Regens

Ich liebe die Farben des Regens
wenn er sich ankündigt über dem Hausdach
eine dunkle Grenze über den Himmel zieht
und seinen Wind in die gelben Blätter schickt.

Ich liebe die Farbe des Regens auf Steinen
die Tropfen um Tropfen zu leuchten beginnen
die Schwärze der Rinden und der Erde im Garten
die jetzt noch schwärzeren Federn der Amseln.

Die erstickenden Büsche im Steinbruch
atmen Grün, bekommen ihr Leben zurück.
In den Seerosenblättern sammeln sich siebenfarbige Prismen.

Ich liebe sogar das Grau in der Luft und
die wabernden Schleier am Fenster
den weißen Dunst über der Wiese

Ich liebe was vom Regen lebt:
das Schlehenweiß und das Trollblumengelb,
im Sommer das Blitzen der Blätter in einer Luft
so dünn als hätte der Wind sie
mit weggetragen beim Trocknen der Welt.

Die dunkle Sonne die uns mit der unerträglichen Schärfe der Schatten blendet
verdankt sich dem Regen von gestern.

Und ich preise ihn für die angstfreie Hoffnung auf die Sonne von morgen.


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